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Kritik: the Odyssey

Disclaimer: Da es sich bei der Odyssee um eine Geschichte handelt, die etwa 2500 Jahre alt ist, werde ich in dieser Kritik ausnahmsweise einzelne Stationen der Odyssee explizit benennen. Dies könnte dementsprechend als Spoiler gewertet werden.
Nach dem Trojanischen Krieg versucht Odysseus (Matt Damon), seinen Weg nach Hause zu finden. Dabei muss er Monstern, dem Wetter und anderen Widrigkeiten trotzen. Währenddessen gerwarten seine Frau (Anne Hathaway) und sein Sohn (Tom Holland) auf Ithaka seine Rückkehr. In 173 Minuten erzählt Christopher Nolan die allseits bekannte Geschichte der Odyssee neu. Dabei erschafft er einen Film, der auf auditiver Ebene, aber vor allem auf visueller Ebene über alle Zweifel erhaben ist. Das Sounddesign dringt durch Mark und Bein und jedes Bild, das Nolan findet, ist atemberaubend schön. Vor allem die Bildgestaltung im Hades bleibt dabei als besonders beeindruckend im Gedächtnis.
Auf der Handlungsebene teilt sich der Film in zwei Stränge auf, eben der, in dem Odysseus über seine Irrfahrt erzählt, und der um Telemachus, der in Ithaka auf die Rückkehr seines Vaters wartet. Dieser zweite Handlungsstrang ist dabei die klare Schwäche von The Odyssey. Dieser ist ehrlich gesagt ziemlich langweilig. Es passiert nur sehr wenig und wenn etwas passiert, dann immer wieder das Gleiche. Die Konstellation der Figuren und deren Beweggründe sind von der ersten Szene an klar und daran rüttelt sich bis zum Ende nichts. Mit seinen bereits erwähnten 173 Minuten ist dieser Film sehr lang und es sind eben diese Szenen, die den Film strecken. Erschwerend für diesen Strang kommt das Schauspiel von Tom Holland hinzu. Er ist in dieser Riege an Schauspielern leider verloren. Vor allem in den Szenen mit Robert Pattinson oder später mit Matt Damon ist das besonders klar zu erkennen. Während die anderen spielen, sagt er seine Zeilen auf und sticht damit immer wieder aus dem Film heraus.
Der Handlungsstrang um Odysseus ist dafür umso stärker. The Odyssey zeigt sich in dieser Reise überraschend variabel. Zwar ist der Film über weite Strecken das Fantasy-Epos, das man erwartet hat, aber auch darüber hinaus vermag er es, Genres anzuschneiden. Besonders die Episode um Polyphem nimmt dabei einen leichten Hauch von Horror-Kino an, während die Verwandlungssequenzen mit Kirke schon als Body-Horror durchgehen können. Vor allem schafft es Nolan aber, einen Sog aufzubauen, der immer wieder in diesen Film hineinzieht, sobald von der eigentlichen Odyssee erzählt wird. Hier scheinen, wie bereits hervorgehoben, Bild- und Sounddesign besonders. Es tut sich allerdings auch ein Problem auf. Wenn man nämlich nicht in diese Trance versetzt wird, verliert der Film viel seiner Strahlkraft. Nun hat das aber bei mir funktioniert und somit kann ich über viele kleine Logiklöcher hinwegsehen, die sich eigentlich auftun. Beispiele dafür wären plötzlich auftauchende Beiboote oder Unklarheit über die Zeit, die die Mannschaft auf dem Meer verbringt. Damit wird The Odyssey zu einem Film, der sehr subjektiv daherkommt. Funktioniert diese Sogkraft der Kombination aus Bildern, Ton und der Fantasy, so erlebt man einen Film, der durch die Odysseus Episoden hinweg extrem viel Spaß macht. Schafft er es nicht, einen in seinen Bann zu ziehen, bleibt ein Film, an dem es viel zu kritisieren gibt.
Final möchte ich noch (ohne Spoiler) einen Moment gegen Ende des Filmes positiv hervorheben. In diesem reflektiert Odysseus, was er in Troja erlebt hat. Dieser Moment führt dazu, dass diese ganze Geschichte in ein anderes Licht gerückt wird. Er verändert die Bedeutung des bisher Gesehenen und transformiert den Fantasy-Epos zu einer Metapher. Es ist ein Moment, der eine starke Wirkung entfaltet und bewegt, aber auch hier, nur wenn der Film einen in seinen Bann ziehen kann.
Abschließend kann man wohl sagen, dass es sich bei The Odyssey um einen Film handelt, bei dem die individuelle Erfahrung sehr stark variieren wird. Schafft er es, einen in die Geschichte hineinzuziehen, bekommt man ein Epos der Extraklasse. Tut er das nicht, fällt er flach. Auch wenn der Film seine Faszination entfalten kann, so reißen die Ithaka-Szenen doch immer wieder heraus, lässt einen die Länge des Filmes spüren und die Wirkung muss im Handlungsstrang um Odysseus erneut aufgebaut werden. Durch Ithaka ist es aber eindeutig nicht das Meisterwerk, das die Wertungen vermuten lassen, dennoch ein Film, den es sich zu sehen lohnt.
Wertung: 4/5 Sterne.

Bildquelle: Filmposter zu The Odyssey

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