Disclaimer: Da ich den Film in deutscher Synchro gesehen habe, kann ich über das Schauspiel kein Urteil fällen.
Ein mysteriöses kosmisches Ereignis transportiert das Kleinstadtviertel rund um die Oak Street in der Zeit zurück. Schnell stellt die Familie Platt fest, dass nun Dinosaurier durch ihre Straße streifen und Jagd auf die Nachbarn machen. So beginnt ihr Überlebenskampf. David Robert Mitchell führt bei The End of Oak Street Regie und inszeniert seinen umgekehrten Jurassic Park in gerade mal 99 Minuten. Wer mit dieser, sagen wir besonderen, Prämisse nichts anfangen kann, der sollte die Finger von diesem Film lassen. The End of Oak Street versucht nämlich nie wirklich mehr zu sein als ein Film, in dem eine Familie von Dinos gejagt wird. Wer dem Ganzen allerdings eine Chance gibt, den erwartet ein spaßiges und kurzweiliges Dino-Spektakel.
Die gravierendsten Probleme dieses Filmes sind vor allem die Figuren. Zwar ist vor allem der Familienvater Greg (Ewan McGregor) relativ sympathisch, aber zu keinem Zeitpunkt erfährt man genug über irgendjemanden, um tatsächlich um sie zu fürchten. Da schafft auch der Beziehungsstreit, den Greg und Denise (Anne Hathaway) haben, keine Abhilfe. Davon abgesehen, dass der Film es zu keinem Zeitpunkt gebraucht hätte und der Streit auch eigentlich keine Relevanz in der Handlung hat (zumindest keine, die man nicht hätte anders und organisch lösen können), fühlt sich dieses Drama konstruiert an. Auch gibt es zwei Figuren, deren Relevanz mindestens fragwürdig ist. Das sind zum einen die Tochter Audrey (Maisy Stella) und das Mädchen Jeanette (Jordan Alexa Davis), die zu einem späteren Zeitpunkt im Film dazustößt. Diese beiden bekommen nämlich rein gar nichts zu tun. Vor allem der Sohn Brian (Christian Convery) treibt die Handlung voran. Über das Ende lässt sich ebenfalls streiten. Ohne zu spoilern, kann man aber wohl sagen, dass es nicht wirklich gelungen ist und dem Film schlussendlich etwas nimmt.
Das Kernstück von The End of Oak Street sind aber die Dinosaurier. In Totalen und aus der Ferne sehen die prähistorische Landschaft und die Tiere darin leider nicht gut aus. Wenn die Dinosaurier dann aber näher herankommen, sieht man, wo das Budget hingeflossen ist. Dann sehen die Dinosaurier, die hier erfrischenderweise dem aktuellen Forschungsstand entsprechend pelzig sind, wirklich gut aus, auch wenn es beim Hund der Familie einige CGI-Ausrutscher gibt. Ein Problem haben die Urzeitriesen jedoch. Sie sind immer exakt so schnell, wie es der Film gerade braucht, und warten mit ihren Angriffen immer so lange, dass die Figuren gerade so entkommen können.
Um die Altersbeschränkung von 12 Jahren durchzubekommen, hat sich David Robert Mitchell einen Kompromiss überlegt. Die Kills passieren größtenteils ein gutes Stück von der Kamera entfernt, sind dafür aber überraschend blutig. Vor allem eine Szene auf dem Dach bleibt hier positiv in Erinnerung. Primär möchte The End of Oak Street aber eins und zwar Spaß machen. Das gelingt dem Film auch ausgezeichnet. Die Dino-Sequenzen unterhalten und die Handvoll Gags, die der Film einstreut, funktionieren zumindest gut genug. Gegen Ende von The End of Oak Street, streut der Film noch eine Szene ein, die man so von diesem Film nicht erwartet und die durchaus im Gedächtnis bleibt, Stichwort Bein.
Schließlich ist es, wie bereits angemerkt, ein Film, der unterhalten möchte, und ich habe mich zu keinem Zeitpunkt gelangweilt. Der Film hat viele Aspekte, an denen man sich stören kann, aber man will ihm sie auch verzeihen. Wer Lust auf anderthalb Stunden Unterhaltung mit Dinosauriern hat, der wird hier hervorragend bedient. Wer tiefgründiges, dramatisches Kino möchte, sollte hier die Finger von lassen. Ich persönlich habe mich immer unterhalten gefühlt und bin dem Film dementsprechend wohlgesonnen. Zum Schluss möchte ich noch die These aufstellen, dass Brian der vermutlich schlechteste Bogenschütze der Welt ist.
Wertung: 3.5 Sterne
Bildquelle: Filmposter zu The End of Oak Street

